Zwei einsame Herzen und ein Hund

Kindergeschichte über Einsamkeit und die Liebe zu einem Haustier

Diese Kindergeschichte über einen Jungen, dessen einziger Freund in einer fremden Stadt sein Hund ist, habe ich als Austauschschüler in den USA geschrieben. Auch ich bin damals einem Mädchen begegnet, das mir meinen Hund abkaufen wollte. Natürlich habe ich den Hund behalten. Aber es ist diese schöne Hundegeschichte für Kinder entstanden. Weitere Kindergeschichten mit und ohne Tiere findest Du hier. 

Die Sonne stand bereits ganz tief, als Lorenz vor dem Abendessen noch einmal aus dem Haus musste. Auf den Straßen war nichts los. Keine anderen Kinder. Kaum Autos. Lorenz ging heute in Richtung Park. Drehte eine Runde vorbei an den Bänken an denen niemand mehr saß, spazierte einmal um den großen Teich herum. Nicht einmal die Entenfamilie war zu sehen. Der Parkplatz war leer. Lorenz seufzte und ging wieder zurück Richtung Siedlung. Hätte er keine Kopfhörer aufgehabt, dann hätte er gehört, wie still es draußen ist. Aber er hörte in voller Lautstärke Musik. LaBrassBanda. Musik, die ihn an Daheim erinnerte. Er hörte eines der wenigen ruhigen Lieder der Band. Es klang irgendwie wehmütig, beinahe traurig. Ein bisschen wie Heimweh. Lorenz griff nach der Leine und zog etwas daran als wollte er sich versichern, dass er nicht allein war. Sein Hund blieb kurz stehen und drehte sich zu Lorenz um. Er bellte ihm aufmunternd zu, dann spazierten sie weiter. Lorenz war dankbar, dass sein treuer Begleiter ihm nicht von der Seite wich. Sonst wäre er sich sehr komisch dabei vorgekommen, jeden Tag zwei oder drei Mal alleine durch die Siedlung zu spazieren. Er spazierte zum Spielplatz, zum Bolzplatz oder zum Park. Aber so gut wie nie waren in dieser Stadt andere Kinder zu sehen. Es kam ihm vor, als säßen alle Kinder zu Hause im Keller und spielten Videospiele. Niemand war draußen.

Wenn man keine Spielkameraden hat und in einer fremden Stadt lebt, dann geht man sogar freiwillig mit dem Hund Gassi. Er wollte eigentlich nicht umziehen. Als seine Eltern ihm versprachen, er dürfe sich etwas ganz Tolles wünschen, stimmte er dann doch zu. Er stimmte zu, dass seine Familie in eine andere Stadt ziehen würde. Und er wünschte sich einen Hund.

„Wie bitte?“ Lorenz stellte den Lautstärkeregler leise. Vor ihm stand ein Mädchen auf der Straße. Er war so in Gedanken gewesen, dass er sie gar nicht bemerkt hatte. Lorenz nahm den Kopfhörer ab. „Entschuldige, ich habe gerade Musik gehört“, sagte Lorenz. „Was hast du gesagt?“, fragte er und mühte sich ein Lächeln ab. 

Er musterte das Mädchen verstohlen und fragte sich, ob er sie schon einmal gesehen hatte. Es war komisch, mit einem Mädchen zu sprechen. Seit Wochen war er keinem Kind auf der Straße begegnet. Er dachte schon, er sei in eine Geisterstadt gezogen. Aber dieses Mädchen schien kein Geist zu sein.

 „Oh, wie süß! So ein lieber Hund! Wie heißt er denn?“ fragte das Mädchen und umarmte Lorenz Hund. Der Hund schloss gutmütig die Augen und schien sogar zu lächeln, während das Mädchen ihn kraulte. Lorenz schaute fasziniert zu, da sein Haustier sonst ein eher misstrauisches Tier war.  

„Das ist Cougar“, sagte Lorenz. 

Cougar war alles andere als ein Schoßhündchen. Er war groß genug, dass das kleine Mädchen auf ihm hätte reiten können. Und so innig, wie sie ihn umarmte, hatte es beinahe den Anschein, als würde sie sich tatsächlich jeden Moment auf ihn drauf setzen und wie ein Cowboy davongaloppieren. Sie löste sich wieder von Cougar und blickte den Hund sehnsüchtig mit ihren großen Augen an: 

„Ich möchte so gerne auch einen Hund haben“, seufzte das Mädchen. „Genau so einen wie den da. Wie brav er ist! Wie lieb er mich anschaut!“ 

Das Mädchen blickte Lorenz bittend, beinahe flehend an. Lorenz lächelte etwas unsicher und zuckte die Achseln. „Frag halt deine Eltern, ob du einen Hund bekommst!“

„Ich will aber genau den da“, sagte das Mädchen und deutete auf Cougar. „Darf ich ihn dir abkaufen?“ Sie lächelte Lorenz erwartungsvoll an. Gleichzeitig nahm sie Cougar in die Arme und auch er begann mit seinen unschuldigen Hundeaugen Lorenz anzustarren. Ganz so, als wollte auch er sagen: „Bitte, bitte, verkauf mich an das Mädchen!“

Lorenz musterte seinen Hund überrascht und auch etwas enttäuscht. Sicher, Lorenz war manchmal ungeduldig mit ihm und hatte ihn schon mal grob an der Leine gezogen. Und einmal hatte er am Sonntag keine Lust gehabt, ihn zu baden. Aber war er nicht jeden Tag zwei Mal, drei Mal Gassi gegangen, hatte er ihn nicht immer rechtzeitig gefüttert? 

Und jetzt war er kurz davor so mirnichts dirnichts mit dem erstbesten hübschen Mädchen in der Stadt durchzubrennen. Er fuhr Cougar behutsam durch das Fell und schaute ihn prüfend an. Lorenz schüttelte den Kopf: „Tut mir leid, aber meinen Cougar gebe ich nicht her!“ 

„Warum heißt er eigentlich Cougar?“ fragte das Mädchen. 

„Cougar ist Englisch und bedeutet Puma“, antwortete Lorenz.

Sie lachte. „Das ist lustig. Cougar, ich hab dich lieb.“ 

Sie gab dem Hund einen zarten Kuss auf das Fell. 

Ich will ihn wirklich nicht hergeben, dachte Lorenz. Aber so gut sich die beiden verstehen, reißt er sich jeden Moment von der Leine los und läuft mit ihr mit. 

Das Mädchen griff in ihre Tasche und kramte drei Euro-Münzen heraus: „Mehr hab ich nicht“, murmelte sie kleinlaut. Hund und Mädchen starrten Lorenz bittend an. 

„Ach, Cougar“, seufzte Lorenz, „Willst du mich denn wirklich loswerden?“ 

Das Mädchen versuchte, ihm das Geld in die Hand zu drücken und bettelte: „Bitte, bitte, bitte, verkaufe mir dein süßes, liebes, braves Hundilein.“ 

 

Inzwischen war die Mutter des Mädchens aus dem Haus gekommen und beobachtete lachend das Feilschen. Das Mädchen klammerte sich wieder liebevoll an Cougar fest. Cougar begann winselnd zu jaulen und Lorenz versuchte, dem Mädchen die Münzen wieder in die Hand zurück zu geben. Jetzt griff die Mutter ein:  

„Jennifer! Genug. Du kannst dem Jungen doch nicht einfach seinen Hund abkaufen. Der hat ihn doch auch lieb.“  

Lorenz nickte. Jennifer wollte von Cougar nicht ablassen. „Er hat ihn mir aber schon verkauft, hat er doch? Bitte, Mami. Bitte lass mich den Hund behalten. Der Hund hat mich viel lieber als ihn. Nicht wahr, Cougar?“  

Cougar bellte drei Mal so laut, als wollte er unbedingt zustimmen. Lorenz stand wie bedröppelt daneben. Die Vorstellung, dass er auch noch seinen einzigen Freund in dieser fremden Stadt verlor, schnürte ihm die Kehle zu. Verrat durch den eigenen Hund. Jennifers Mutter kniete sich zu ihrer Tochter hinab und streichelte ihr durchs Haar: „Nicht traurig sein, Jenny. Nächstes Weihnachten darfst du dir einen Hund wünschen, dann bist du alt genug. Jetzt bedank dich bei dem Jungen, dass du mit dem Hund spielen hast dürfen. Aber der Junge wird sicher schon zum Abendessen erwartet.“  

Lorenz atmete erleichtert auf: „Vielen Dank“, sagte er zu der Frau.  

Jennifer konnte sich nun endlich von Cougar lösen: „Tschüss, lieber Cougar. Ich hoffe, wir sehen uns bald, bald wieder“, sagte sie und sprang zurück in Richtung Haus. Dann drehte sie sich noch einmal um. Sie winkte Lorenz und rief: „Bitte komm doch bald mal vorbei! Vielleicht darf ich mit Cougar und dir spazieren gehen?“  

Lorenz musste lächeln. Ihm wurde ganz heiß und er hoffte, dass er nicht rot im Gesicht anlief. Er nickte und versuchte, cool zu bleiben: „Ich gehe ganz oft hier spazieren. Wenn du magst, klingle ich nächstes Mal bei dir.“  

 

„Das wäre schön“, sagte ihre Mutter stellvertretend, verabschiedete sich und ging zurück ins Haus. Lorenz setzte seine Gassirunde fort. Als er sich nach einigen Metern noch einmal verstohlen umdrehte, stand Jennifer noch immer an der Straße. Sie winkte ihm und Cougar noch einmal lächelnd zu. Lorenz steckte sich wieder die Kopfhörerstöpsel in die Ohren und schaltete die Musik an. Das nächste Lied war eines, das zum fröhlichen Tanzen einlud.

Zur gleichen Zeit ist übrigens auch die Indianergeschichte "Der Bär und der Falke" entstanden. Alle Kindergeschichten kannst Du hier nachlesen.

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Kommentare: 2
  • #2

    Bernhard (Donnerstag, 12 Oktober 2023 14:57)

    Hallo David, vielen Dank für den Hinweis. Da bin ich sehr dankbar dafür. Die Geschichte habe ich als Teenager geschrieben. Damals gab es noch kein Chat GPT. Da ich später den Namen Jojo nicht mehr gut fand, habe ich ihn in Lorenz umgetauft. Und offensichtlich nicht alle Jojos umgeschrieben. Habe ich nun korrigiert.

  • #1

    David (Donnerstag, 12 Oktober 2023 14:52)

    Ich dachte der heißt Lorenz. Was für Jojo aufeinmal? Und dann wieder Lorenz?
    Deine Geschichten ergben manchmal echt keinen Sinn. Man merkt, dass du mit ChatGBT schreibst oder di echt wenig Mühe gibst